Auszüge aus dem Leben eines Genies"Dalí – Die Ausstellung am Potsdamer Platz", Berlin

Auszüge aus dem Leben eines Genies

Salvador Dalí ist einer der genialsten Künstler der Moderne. Er inszenierte seine Werke und sich selbst auf spektakulärste Weise. In der Serie „Nach 50 Jahren Surrealismus“ illustrierte er sein eigenes Leben zum Anlass der Eröffnung seines Museums in Figueras. Diese zwölf Werke sind Bestandteil von „Dalí – Die Ausstellung am Potsdamer Platz“ und schließen den Rundgang ab. In der nun folgenden Vita sind diese von ihm selbst als sicherlich wichtigste Stationen seines Lebens ausgewählten Illustrationen zu Grunde gelegt.

1904

Am 11. Mai wird Salvador Filipe Jacinto Dalí y Domènech in Figueras in der Provinz Katalonien als zweiter Sohn des Notars Salvador Dalí y Cusí und seiner Frau Felipa Domènech geboren. Der Junge bekommt, wie sein mit 23 Monaten kurz zuvor verstorbener Bruder, den Vornamen Salvador. 4 Jahre später wird seine Schwester Ana Maria geboren.

1914–1918

Dalí ist Mitglied der städtischen Mal- und Zeichenschule in Figueras. Der Künstler und Kunstlehrer Juan Nunez Fernandez erkennt Dalís Talent und fördert ihn. Sein Talent wird bei einer Gruppenausstellung im Stadttheater von Figueras von den Kritikern gefeiert. Er veröffentlicht in Lokalzeitschriften mehrere Artikel über die großen Meister der Malerei sowie eigene Gedichte.

1921

Im Februar des Jahres stirbt Dalís Mutter. Im Oktober wird Dalí an der Kunsthochschule San Fernando in Madrid aufgenommen. Er wohnt in dem Studentenwohnheim „Residencia de Estudiantes“, wo er sich mit Federico Garcia Lorca und Luis Buñuel anfreundet.

1926

Während seiner ersten Reise nach Paris trifft Dalí Picasso in dessen Werkstatt. Dieser bestärkt ihn in seinem Schaffen. Dalí lehnt die Prüfungsthemen der Abschlussprüfung der Akademie ab und proklamiert das Lehrerkollegium für unfähig, ihn, den Künstler, zu bewerten. Am 20. Oktober wird er auf einen königlichen Erlass hin endgültig von der Kunsthochschule in Madrid verwiesen. (Bild „Der Hinauswurf“. WVZ 668)

1928

Auf einer erneuten Reise nach Paris wird Dalí von Joan Miro in den Kreis der Surrealisten eingeführt.

1929

Buñuel und Dalí drehen den Film „Ein andalusischer Hund“, der ihre offizielle Aufnahme in die Pariser Surrealistengruppe markiert. Im Sommer des Jahres verbringen die Ehepaare Eluard, Magritte, Goemans und Buñuel ihre Ferien bei Dalí in Cadaques. Gala Eluard und Dalí verlieben sich und werden ein Paar. (Bild „Galas göttlicher Rücken“. WVZ 669)

1930

Er entwickelt erste Ansätze der paranoisch-kritischen Methode. In der Zeitschrift „Le Surréalisme au service de la révolution“ erscheint „Der Eselskadaver“; bei den „Editions surréalistes“ erscheint „Die sichtbare Frau“. Er illustriert Texte von Andre Breton, Paul Eluard und Tristan Tzara. Dalí kauft in Port Lligat bei Cadaqués eine Fischerhütte, die Gala und er von nun an große Teile des Jahres bewohnen. (Bild „Die Lorbeerkränze des Glücks“. WVZ 665) Die Verbindung mit Gala führt zum Bruch mit seinem Vater, der gegen die Beziehung ist. (Bild „Der überwundene Fluch“. WVZ 666) Rechtsextreme Gruppen zerstören bei der Vorführung des Films „Das goldene Zeitalter“ von Buñuel und Dalí das Kino. Die Vorführung des Films durch den Bund der Nationalisten verboten.

1934

Gala und Dalí heiraten standesamtlich. Erste Auseinandersetzungen mit den Surrealisten und André Breton. Das Ehepaar Dalí fährt in diesem Jahr zum ersten Mal nach Amerika. Die Reisekosten werden von Picasso übernommen. Dalís Ausstellung in New York erfährt einen triumphalen Erfolg. (Bild „Picasso: Eine Fahrkarte zum Ruhm“. WVZ 670)

1935

Dalí schreibt über seine paranoisch-kritische Methode in „La conquête de l’irrationel“ („Die Eroberung des Irrationalen“). Ein Jahr später erscheint er auf der Titelseite der Zeitschrift „Time“, die ihm große Popularität verschafft.

1938

Dalí besucht auf Vermittlung Stefan Zweigs den großen Psychoanalytiker Sigmund Freud in London. Er zeigt ihm sein Werk „Die Metamorphose des Narziss“, das er im Jahr zuvor als eine umfassende Anwendung der paranoisch-kritischen Methode parallel gemalt und geschrieben hat, und zeichnet mehrere Porträts von ihm. Freud ist äußerst angetan von dem jungen Künstler. (Bild „Freud mit Schneckenkopf“. WVZ 672)

1939

Es kommt zum endgültigen Bruch mit der Gruppe der Surrealisten und André Breton, der Dalí in einem Anagramm seines Namens den Beinamen „Avida Dollars“ (Gier nach Dollars) gibt. (Bild „Der Großinquisitor (Breton) vertreibt den Retter (Salvador)“. WVZ 671) ln den Vereinigten Staaten veröffentlicht Dalí die Schrift „Die Unabhängigkeitserklärung der Phantasie“ und die „Erklärung der Rechte des Menschen auf seine Verrücktheit“. Dalí gestaltet für das große Kaufhaus Bonwit Teller auf der 5th Avenue in New York ein Schaufenster, das er nach einer unabgesprochenen Änderung des Entwurfs zerschlägt. (Bild „Ein erschütternder Auftritt auf der amerikanischen Bühne“. WVZ 673)

1940–1948

Dalí und Gala leben im Exil in Amerika.

1945

Dalí entwirft die Traumszene im Auftrag Alfred Hitchcocks für dessen Film „Spellbound“. Er veröffentlicht die erste Ausgabe seiner Zeitung, der „Dalí-News. Monarch of the Dailies“.

1946

Dalí zeichnet mehrere Entwürfe für ein Trickfilmprojekt mit dem Namen „Destino“ mit Walt Disney. Der Film wird jedoch erst 2004 von einem Enkel Disneys realisiert.

1949

Nach seiner Privataudienz bei Papst Pius XII. beschäftigt sich Dalí vorwiegend mit religiösen und mystischen Sujets. (Bild „Gott, Zeit, Raum und der Papst“. WVZ 667)

1952

Dalís Vater stirbt. Es ist die Zeit seiner so genannten nuklearen Mystik.

1956

Auf Drängen des Pariser Verlegers Foret entsteht Dalís erstes lithographisches Werk „Don Quichotte de la Mancha“, bei dem er die Technik der Lithografie revolutionierte, in dem er u.a. die Lithosteine mit Rhinozeroshörnern und Arkebusen im Rahmen diverser Happenings bearbeitet.  Dalís Buch „Les cocus de vieil art moderne“ erscheint in Paris.

1958

Dalí und Gala heiraten kirchlich, nachdem Galas erster Ehemann, der surrealistische Dichter Paul Eluard, verstorben ist. (Bild „Galas heilige Liebe“. WVZ 674)

1959

Für den exklusiven Buchclub „Nouveau Cercle Parisien du Livre“ fertigt Dalí mit 20 Farbholzstichen die Illustration zu Alarcóns „Le Tricorne“ (Der Dreispitz).  Er erhält eine Audienz bei Papst Johannes XXIII. und arbeitet gemeinsam mit anderen Künstlern am zu dieser Zeit teuersten Buchprojekt, der „Apokalypse des Heiligen Johannes“.  Für seine drei Motive zu diesem Buch lässt Dalí u.a. eine mit Nägeln gefüllte Bombe auf Kupferplatten explodieren und überfährt mit einer Dampfwalze eine Nähmaschine, die zwischen Kupferplatten liegt.

1960

Die ursprünglich von der italienischen Regierung zum 700. Geburtstag Dantes 1965 in Auftrag gegebene sicherlich umfangreichste Illustrationsarbeit Dalís, 100 Xylografien zu Dantes „Göttlicher Komödie“, wird vom französischen Verleger Joseph Foret herausgegeben.

1963

Dalí veröffentlicht „Le Mythe tragique de l’Angélus de Millet“. Dalí beginnt, dem Bahnhof von Perpignan eine entscheidende Rolle in der Konstitution des Universums zuzuschreiben. Zudem werden naturwissenschaftliche Themen in Dalís Werk aufgenommen, wie beispielsweise die Doppelhelixstruktur der DNS.

1964

Dalí veröffentlicht „Das Tagebuch eines Genies“. Er wird von Königin Isabella von Spanien mit dem Großkreuz geehrt, der bedeutendsten spanischen Auszeichnung.

1968

Dalí kauft für Gala das Schloss Pubol in der Nähe von Figueras. Er muss sich jedoch stets anmelden und um Erlaubnis bitten, bevor er sie dort besuchen kann. (Bild „Galas Schloss“. WVZ 675)

1969

In Kombination der Techniken des Holzschnitts, der Radierung und der Lithografie entstehen die Illustrationen zu „Alice im Wunderland“ von Lewis Carrol. Dalí erschafft mit den Radierungen zur Walpurgisnacht seine Illustration zu Goethes „Faust“. Seine Popularität führt dazu, dass er z. B. Fernsehwerbung für Chocolat Lanvin gestaltet. Im Auftrag der französischen Eisenbahn S.N.C.F. entwirft Dalí eine Plakatserie zu Frankreichs Regionen, die als Lithografien verlegt werden.

1970

Dalí realisiert als großer Bewunderer Richard Wagners und Meister der Kaltnadelradierung die umfangreiche Serie von 21 Farb-Kaltnadelradierungen zu „Tristan und Isolde“.

1971

Eröffnung des Salvador Dalí Museums in Cleveland, Ohio, mit der Sammlung von E. und A. Reynolds Morse, das 1982 nach Saint Petersburg, Florida verlegt wird. Dalí gestaltet die limitierte Erstausgabe des Modemagazins „Scarab“ für das Modehaus Scabal und entwirft dabei die einer Schneiderpuppe nachempfundene Skulptur „Mannequin zootropique“. Als „Hommage an Dürer“ entsteht die Serie an Kaltnadelradierungen „Neue mythologische Folge“. Dalí gestaltet die Weihnachtsausgabe der französischen Zeitschrift „Vogue“.

1973

Dalí bringt seinen von ihm gestalteten Koffer mit Radierungen und dreidimensionalen Objekten unter dem Titel „Zehn Rezepte zur Unsterblichkeit“ heraus. Zudem entstehen die Lithografien Dalís zu Rabelais’ „Die tolltreisten Träume des Pantagruel“ geschaffen.

1974

Dalí eröffnet sein „Teatro Museo Gala Dalí“ in Figueras. Dafür stellt er die Kaltnadelserie „Nach 50 Jahren Surrealismus“ her. Seine Illustrationen zu „Die gelben Liebschaften“ von Tristan Corbière entstehen. (Bild „Das Genie- und Fantasiemuseum“. WVZ 676)

1982

Am 10. Juni stirbt Gala. Im Juli wird Dalí von König Juan Carlos der Titel Marqués de Púbol i Figueras verliehen. Er lebt von nun an auf Schloss Pubol.

1983

Im Mai malt Dalí sein letztes Bild „Der Schwalbenschwanz“.

1984

Dalí erleidet bei einem Zimmerbrand im Schloss Pubol schwere Brandverletzungen.

1989

Am 23. Januar stirbt Dalí an Herzversagen im Torre Galatea, dem Turm seines Museums in Figueras, den er seit dem Brand im Schloss Pubol bewohnte. Er wird auf seinen Wunsch in der Krypta des Museums beigesetzt. Dalí vermacht in seinem Testament sein gesamtes Vermögen und sein Werk dem spanischen Staat.

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